Kinder sind von Beginn an vollwertige Menschen

Kinder sind von Beginn an vollwertige Menschen. 

Ich glaube, dass kaum jemand dieser Aussage widersprechen würde. Und doch erlebe ich sehr häufig, dass im praktischen Umgang mit Kindern genau diese Haltung NICHT sichtbar ist.

Warum ist das so?

Warum fällt es denn so schwer, respektvoll miteinander umzugehen, trotz diesem Wissen, dass alle Menschen – ob groß oder klein –  wertvoll sind?

Es sind unsere eigenen Interessen, die wir unbedingt durchsetzen wollen. Dagegen ist per se auch gar nichts einzuwenden, immerhin müssen wir als Erwachsene auch die Richtung vorgeben.

In der Eltern Kind Beziehung ist es nicht schwierig, den Respekt zueinander aufrechtzuerhalten, solange kein Problem auftritt, Kinder kooperieren und sich verhalten, wie wir es uns wünschen.

Wertschätzender Umgang miteinander wird dann schwierig, wenn ein Kind nein sagt oder aus welchem Grund auch immer seinen eigenen Willen durchsetzen möchte. Wenn es also ein anderes Ziel verfolgt als der Erwachsene.

Manchmal kommt dann ein Kreislauf in Schwung, der beispielsweise folgendermaßen aussehen könnte:

Es ist frühmorgens, Sophie und ihre Mama Elisabeth machen sich bereit für den Kindergarten. Die kleine Sophie möchte noch ihre Puppe umziehen, bevor sie sich selbst anzieht. Elisabeth ist aber schon spät dran und möchte, dass Sophie sich beeilt. „Die Puppe kannst du doch anziehen, wenn wir wieder nach Hause kommen, schau lieber, dass du dich selbst fertig machst, wir haben es schon so eilig!

Sophie lässt sich aber nicht stören und fährt damit fort, ihre Puppe anzuziehen. Das ärgert Elisabeth und sie nimmt Sophie kurzerhand die Puppe weg. „Beeil dich! Wir kommen zu spät!“ Sagt sie noch genervt und geht auf dem Zimmer.

Sophie denkt jetzt gar nicht mehr daran zu kooperieren, nachdem die Mutter ihr die Puppe einfach weggenommen hat. Sie sucht sich ein neues Spiel und vertieft sich darin.

Als die Mutter wenige Minuten später wiederkommt in Erwartung dass Sophie inzwischen angezogen ist, wird sie wirklich wütend. Sie erhöht den Druck auf Sophie und zwingt sie in ihre Kleider, obwohl Sophie protestiert.

Genauer will ich dieses Beispiel nicht mehr ausführen, man kann schon sehen, dass wertschätzender Umgang miteinander zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden ist.

Die Mutter hat natürlich die Führungsverantwortung, Sie muss dafür sorgen, dass beide pünktlich aus dem Haus kommen. Was hätte sie anders machen können? Mit einer wertschätzenden Haltung hätte sie ihr eigenes Ziel besser erreicht. Sophies Vorhaben war ihr nämlich ganz offensichtlich nicht wichtig. Zumindest weit weniger, als ihr eigenes Ziel, pünktlich aus dem Haus zukommen. Bei Sophie war es allerdings umgekehrt, ihr ist die Puppe in dem Moment weit wichtiger als das Ziel der Mutter. Würde die Mutter das erkennen und auch akzeptieren, könnte sie anders vorgehen und somit höchstwahrscheinlich mit Sophies Kooperation rechnen.

Sie könnte beispielsweise sagen: Ich sehe, dass es dir wichtig ist, deine Puppe jetzt umzuziehen. Leider müssen wir gleich los, wir sind schon spät dran! Wie wäre es, wenn du die Puppe im Auto fertig anziehest und dich zuerst fertig machst? So können wir pünktlich aus dem Haus und auch die Puppe bekommt ihr neues Kleid.

Es sind oft wirkliche Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Und besonders Kinder spüren genau, mit welcher Haltung wir ihnen begegnen.

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